Vor einem Jahr eröffneten wir die Ausstellung Produktive Bildstörung. Sigmar Polke und aktuelle künstlerische Positionen in der Kunsthalle Düsseldorf. Die Künstlerin Camille Henrot entwarf hierfür eine neue Gruppe von Werken, Dos and Don’ts, die in Zusammenarbeit mit dem Grafiker Mike Karstens entstanden. Im Gespräch mit der Kuratorin Nelly Gawellek spricht sie über die Herstellung der Werke, ihre künstlerische Verwandtschaft mit Sigmar Polke und die technischen Möglichkeiten der Gegenwart.
Nelly Gawellek: Hallo Camille. Wir haben dich eingeladen, an der Ausstellung Produktive Bildstörung teilzunehmen, und bei unserem ersten Skype-Anruf – ich glaube, es war im Juni 2020 – hast du mir erzählt, dass Sigmar Polke großen Einfluss auf dich hatte. Was an seinen Arbeiten hat dich fasziniert?
Camille Henrot: Was mich sehr bestärkt hat, ist sein Verhältnis zu Stil und Bildern, besonders seine Akzeptanz stilistischer Wandelbarkeit. Er nutzt Bilder wie ein Alphabet, eine Art Code. Angezogen hat mich auch sein Interesse an Tricks und Imitation – da ahmt er ein maschinelles Verfahren nach, das technisch locker zu reproduzieren wäre, zu faken aber eine Menge Arbeit ist. Die subtile Verschiebung der Ästhetik, die dabei eintritt, erlaubt es, das Bild völlig anders zu verstehen. Ich denke an die Rasterbilder, in denen er gedruckte Bilder kopiert – aber in Handarbeit.