Polke Post 13 - Jubiläumsprojekt Produktive Bildstörung. Sigmar Polke und aktuelle künstlerische Positionen

POLKE POST 13
Produktive Bildstörung

HURRA! Endlich! Es ist so weit: Dieses Jahr hätte Sigmar Polke seinen 80. Geburtstag gefeiert. Seit Stiftungsgründung 2018 fiebern wir diesem Jubiläum entgegen, das wir gerne mit euch – mit Polkes Freund:innen und Weggefährt:innen, mit anderen Kunstschaffenden, Wissenschaftler:innen und Kunstbegeisterten – feiern möchten. 

Am 12. November 2021 eröffnet die von der Anna Polke-Stiftung initiierte Jubiläumsausstellung Produktive BildstörungSigmar Polke und aktuelle künstlerische Positionen (13.11.2021–6.2.2022) in der Kunsthalle Düsseldorf. Hier wird Polkes Werk mit Arbeiten einer aktuellen Generation von Kunstschaffenden zusammengebracht und erstmals unter dem Aspekt der Bildstörung an gegenwärtige Bild- und Mediendiskurse angebunden. Vom 25. bis 27. November 2021 findet ausstellungsbegleitend und ebenfalls von der Anna Polke-Stiftung veranstaltet ein mehrtägiges Festival an der Kunstakademie Düsseldorf statt, zu dem Beiträge internationaler Wissenschaftler:innen und Künstler:innen neue Perspektiven auf das Werk Polkes im direkten Dialog mit zeitgenössischen Arbeiten entwickeln. 

Als Sigmar Polke Anfang der 1960er Jahre an der Kunstakademie Düsseldorf studierte, richtete sich sein Interesse schnell auf die massenmedial verbreiteten Bilder seiner Zeit. Das Übertragen und Stören, das Transformieren und Umcodieren dieser Bilder inklusive der dabei entstehenden oder enttarnten Bild-Fehler, wurde in seinen Rasterbildern zum Motiv und frühen Markenzeichen. Doch diese produktive Bildstörung endet nicht mit dem Kapitalistischen Realismus. Reproduktion, Manipulation, Vergrößerung, Mehrfachbelichtung, Farbexperiment, Druckfehler oder Collage – die Störung(en) im Bild bzw. die Überlagerung und Veränderung von Bildern und Bildvorlagen, die aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst werden, bleiben wesentliche Strategien in Polkes Schaffen. Angelehnt an die aktuelle Forschung, die Polke als universalen Zeitgenossen und postmodernen Künstler-Künstler begreift, der sich an unterschiedlichsten Kontexten bedient, schärfen Ausstellung und Festival erstmals den Blick für diesen spezifischen Aspekt, der Polkes Gesamtwerk charakterisiert. 

Sigmar Polke,
­ Sigmar Polke, Amerikanisch-Mexikanische Grenze, 1984 | © The Estate of Sigmar Polke, Köln / VG Bild-Kunst, Bonn

­Polkes experimenteller Umgang mit verschiedenen Medien, Kontexten und Materialien, setzt auf das Potenzial des vermeintlich Fehlerhaften, Verschwommenen und Veränderbaren. Seine Werke spielen mit der Lust an der Täuschung durch Bilder und hinterfragen dabei auf unterschiedliche Weise und medienübergreifend unsere Sehgewohnheiten und die damit verbundene Wirkmacht von (manipulierten) Bildern. Diese produktive Störung der Bilder stellt auch für eine gegenwärtige Generation von internationalen Künstler:innen eine zentrale Strategie dar. Ihre Werke zeigen neue künstlerische Verfahrensweisen und Ansätze, welche die Bildstörung auch heute als produktiven Ausgangspunkt kreativen Schaffens herausstellen, um kulturelle, künstlerische und politische Fragen zu verhandeln.
                                                                                                         

Avery Singer,
Avery Singer, Untitled, 2013 | © Avery Singer

In der Zusammenschau von über 100 Werken von Kerstin Brätsch, Phoebe Collings-James, Raphael Hefti, Camille Henrot, Trevor Paglen, Sigmar Polke, Seth Price, Max Schulze und Avery Singer zeigt sich diese generationenübergreifende, gemeinsame Haltung gegenüber dem Bild, die in drei Kapiteln beleuchtet wird: Sieht man ja, was es ist fragt nach der sozialen und politischen Dimension der Bildstörung, indem unter anderem der Einsatz und die Wirkmacht von (Medien-)Bildern reflektiert wird. History of Everything lenkt den Blick auf bereits existierende Bilder als Quellen jeder neuen Bildproduktion und rückt deren Entstehungszusammenhänge in den Vordergrund. Der unhierarchische und ungewöhnliche Umgang der Künstler:innen mit den Bildern stellt dabei Konventionen und Mythen in Frage und setzt neue Erzählungen in Gang. Desastres und andere bare Wunder konzentriert sich auf die Wirkmacht der Materialien und Produktionsprozesse, die auf vielfältige Weise zu Störungen im Bild führen. Die Grenzen künstlerischer Gattungen und Medien werden hier genauso auf die Probe gestellt, wie die Wahrnehmung der Betrachtenden. 
 

Das mehrtägige internationale Festival (25.–27.11.2021) an der Kunstakademie Düsseldorf, untersucht die Entstehungszusammenhänge, Wahrnehmungsbedingungen und Erscheinungsformen sowie das produktive Potenzial der Bildstörung – damals und heute – in theoretischen und künstlerischen Beiträgen.
Akteur:innen unterschiedlicher Disziplinen, darunter Taslima Ahmed, Bice Curiger, Raphael Hefti, Camille Henrot, Alexander Kluge, Doreen Mende und Magnus Schäfer eröffnen neue Perspektiven sowohl auf das Werk Sigmar Polkes als auch auf die aktuelle Kunstproduktion. Durch die Studierenden aus der Klasse Marxt, ehemals Odenbach, wird auch die jüngste Künstler:innengeneration vertreten sein.  

Wir freuen uns sehr, Sie und Euch in Düsseldorf zu sehen!

Anna Polke, Kathrin Barutzki, Dana Bergmann, Nelly Gawellek, Charlotte Lang, Nicole Ruppert & Sophia Stang
 
Das Jubiläumsprojekt steht unter der Schirmherrschaft von Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, und wird gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, der Kunststiftung NRW und der Art Mentor Foundation Lucerne.

AUSSTELLUNG
Produktive Bildstörung. Sigmar Polke und aktuelle künstlerische Positionen, Kunsthalle Düsseldorf, 13.2.2021–6.2.2022, mit Kerstin Brätsch, Phoebe Collings-James, Raphael Hefti, Camille Henrot, Trevor Paglen, Sigmar Polke, Seth Price, Max Schulze, Avery Singer
Kuratiert von Kathrin Barutzki und Nelly Gawellek (beide Anna Polke-Stiftung) mit Gregor Jansen (Kunsthalle Düsseldorf)

FESTIVAL 
Kunstakademie Düsseldorf, 25.–27.11.2021
mit Beiträgen von: Taslima Ahmed, Bice Curiger, Raphael Hefti, Camille Henrot, Alexander Kluge, Doreen Mende, Magnus Schäfer, Studierenden der Klasse Marxt, ehemals Odenbach u.a.