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Stipendium

Die Anna Polke-Stiftung vergibt jährlich Stipendien für herausragende Forschungsvorhaben zum Werk Sigmar Polkes. Gefördert werden Projekte, die neue Perspektiven auf sein Werk eröffnen. Die Auswahl der Stipendiatinnen und Stipendiaten trifft eine Fachkommission.

Im Jahr 2019 hat die Stiftung zwei Forschungsstipendien ausgerufen, die sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Kunstgeschichte oder benachbarter Disziplinen aus dem In- und Ausland richteten. Die Antragsfrist für das Jahr 2019 ist beendet.

Mitglieder der Fachkommission in diesem Jahr waren Dr. Jacqueline Burckhardt, Bice Curiger, Prof. Dr. Petra Lange-Berndt und Sophia Stang. Für die Stipendien ausgewählt wurden die Forschungsvorhaben von Dr. des. Dirk Hildebrandt (Köln) und Dr. Julie Sissia (Paris). Hier erfahren Sie mehr über die geförderten Projekte.

Dr. des. Dirk Hildebrandt

Kurzbiografie

Dirk Hildebrandt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kunsthistorischen Institut der Universität zu Köln (Schwerpunkt Moderne/Gegenwart und ästhetische Theorien); Studium der Kunstgeschichte und Philosophie in Bonn, Paris und Basel. Promotion an der Universität Basel (The Extension of Art. Allan Kaprow und der Werkbegriff des Happenings); aktuelle Arbeitsschwerpunkte: Asger Jorn und die Netzwerke der europäischen Nachkriegskunst, Künstlerbücher und Prozesse intermedialen Schreibens, Kunst- und Künstlertheorien der Moderne und Gegenwart.

In die FläcHe publizieren. Sigmar Polkes (künstler-)Bücher

Exposé des Forschungsprojekts von Dr. des. Hildebrandt

Das durch die Anna-Polke-Stiftung geförderte Projekt In die Fläche publizieren nimmt sich die Untersuchung eines Mediums vor, das neue Einsichten auf Sigmar Polkes gesamte künstlerische Produktion in Aussicht stellt: das (Künstler-)Buch.
            Dass die Kunst hier zunächst in Klammern steht, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass Polkes Bücher nicht, jedenfalls nicht in dem Sinne als Künstlerbücher auffallen, wie man sie aus der entsprechenden Forschung kennt – etwa als besonders exaltierte und kostspielige ,Originale‘, die vor allem die Grenzen des Buch-Formates ausloten. Polkes buchförmige Publikationen erscheinen vornehmlich wie ,Wölfe im Schafspelz‘, das heißt als äußerlich eher zurückhaltend gestaltete Exemplare ihrer Zunft. Folglich wird es nicht allein darum gehen, das einzelne ,Buch als Kunstwerk‘, sondern die vielfältigen Kontexte in den Blick zu rücken, in denen Polke auf das Buch als einem Publikations-Medium für seine künstlerische Arbeit zurückgekommen ist. Das bedeutet, dass nicht nur diese Bücher selbst, sondern ihre Beziehungen zu benachbarten Formaten untersucht werden sollen, in deren Gestaltung und Publikation sich der Künstler im Laufe seiner Karriere übte (z.B. Zeitungsartikel, Editionen, Beiträge in Katalogen und Zeitschriften). Das (Künstler-)Buch interessiert, kurz gesagt, als ein Medium, das Zusammenhänge in Polkes vielgestaltigem Oeuvre zu erschließen, und verbindende Strukturen darin offenzulegen erlaubt.
            Die ,Kunst‘ in Polkes (Künstler-)Büchern steht hier also nicht etwa in Klammern, weil ihr Status, ihre ,Kunsthaftigkeit‘ und Zugehörigkeit zum Oeuvre des Künstlers ungeklärt wären. Vielmehr geht es um das Buch als einen Mittler, der die in kunstferne (mithin politische) Kontexte ausgreifenden Verfahren des Künstlers, wie man sie etwa aus Polkes Malerei oder Druckgrafik kennt, noch einmal anders begreiflich zu machen erlaubt. In Bezug zu Polkes künstlerischem Oeuvre kommen dem (Künstler-)Buch dabei je unterschiedliche Funktionen zu. Es macht darin nicht nur Anschlüsse zu künstlerischen und geschichtlichen, ökonomischen und politischen Zusammenhängen sichtbar, sondern auch intermediale Prozesse lesbar. Das (Künstler-)buch verspricht, anders gesagt, in neuer Weise zwischen Malerei, Skulptur, Fotografie, Film und Kirchenfenstern, d.h. den künstlerischen Ausdrucksformen zu vermitteln, für die man die Arbeit des Künstlers gemeinhin schätzt. 
            Sich für den Rahmen der Untersuchung auf die Geschichte des Buchs als einem künstlerischen Ausdrucks- bzw. Publikationsmittel zu beziehen, hat den Vorteil, dass es Vorstellungen von Medialität ins Spiel bringt, die abseits der ausgetretenen Pfade der Nachkriegskunstgeschichte liegen. Anders etwa als die Malerei erscheint das Buch per se als ein Medium, das seinen eigenen Gegenstandsbereich durch Anleihen bei anderen und unterschiedlichen Medien definiert. Um diese ,Andersartigkeit‘ im Hinblick auf Polkes Kunst in sinnhafter Weise darstellen zu können, bleibt es gleichwohl unabdingbar, sich eng an die ,bisherige‘ Geschichte zu halten. Um die Verbindungen von Buch und Malerei zu untersuchen, stehen Konzepte von ,Flachheit‘ zur Verfügung. Waren diese Konzepte, zumal unter den Bedingungen der 1960er Jahre, noch eng an die Auseinandersetzung mit der Malerei gekoppelt, so nimmt sich das Projekt In die Fläche publizieren die Untersuchung einer intermedialen Flachheit vor, die es erlauben soll, den vielfältigen technischen, künstlerischen und kontextuellen Zusammenhängen durch Sigmar Polkes Kunstschaffen zu folgen.



Dr. Julie Sissia

Kurzbiografie

Julie Sissia hat am IEP in Paris in Kunstgeschichte promoviert (2015). Sie ist assoziierte Wissenschaftlerin am Centre d’histoire de sciences Po und Lehrbeauftragte an der Ecole du Louvre. Ihr Buch Le miroir allemand. RFA et RDA dans le discours sur l’art contemporain en France. 1959–1989 wird bei Les presses du réel veröffentlicht. Im Jahr 2019 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Musée d’Art moderne de la Ville de Paris an der Hans Hartung Retrospektive (Herbst 2019). Von 2010 bis 2015 war sie Mitglied des Wissenschaftlerteams am Deutschen Forum für Kunstgeschichte (Paris) im Rahmen des ERC-Projekts A chacun son réel.

„Cher Maître“. Sigmar Polke und Frankreich

Exposé des Forschungsprojekts von Dr. Julie Sissia

„Sigmar Polke (1941–2010) ist einer der großen Maler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wir wissen das überall in Europa, außer in Frankreich [….]“[1].  
In diesem lapidaren Satz bedauert der Kunsthistoriker Philippe Dagen in der Tageszeitung Le Monde 2013 das mangelnde Interesse der französischen Museen für Sigmar Polke. Während der Künstler im MoMA und in der Tate Modern gefeiert wurde, bevorzugte das Musée national d’Art moderne in Paris Anselm Kiefer und Jeff Koons. Diese Kritik ist jedoch differenzierter zu betrachten. 
„Cher Maître“ (Lieber Meister)… Mit Bewunderung wendet sich Suzanne Pagé während der Vorbereitung seiner Ausstellung im Musée d’Art moderne de la Ville de Paris (1988)[2]an Sigmar Polke. Als Direktorin des Museums und des ARC – ein im selben Gebäude untergebrachter expermenteller Kunstraum – hat Suzanne Pagé seit Anfang der 1970er Jahre diese Institution zu einem unverzichtbaren Ort der zeitgenössischen Kunst in Frankreich gemacht. Dort hat sie insbesondere deutsche Künstler der Generation von Sigmar Polke gefördert. Im Jahr 1981 war Polke in der Ausstellung Art Allemagne Aujourd’hui zu sehen; gemeinsam mit dem berühmten Berliner Galeristen René Block brachte sie Künstler zusammen, die die BRD zu einem der dynamischsten Kunstzentren der Welt gemacht hatten[3]. Die späte Anerkennung einer ganzen Generation deutscher Künstler durch die französischen Museen war die Konsequenz der schmerzhaften Geschichte zwischen den beiden Ländern; sie war auch die Folge der Nichtbereitschaft französischer Kritiker und Kunsthistoriker seit den 60er Jahren zu akzeptieren, dass Paris nicht mehr die internationale Hauptstadt der Kunst war. Die Anerkennung der deutschen Künstler in Frankreich war in den 1980er Jahren jedoch alles andere als einstimmig.
Während in den 1980er Jahren die von mehreren deutschen Künstlern beanspruchte deutsche Identität bestimmte Protagonisten der französischen Kunstwelt irritierte, genoss Sigmar Polke einstimmig Anerkennung. Welchen Platz nimmt er also im französischen Diskurs ein, und nach welchen Kriterien werden seine Werke wahrgenommen? Ich möchte hinterfragen, inwiefern die französischen Kunsthistoriker und -kritiker Sigmar Polke dennoch politisch betrachten. Zwar hielt sich der Künstler von nationalen Kategorien fern, und wurde daher nicht als „deutscher Künstler“ kategorisiert. Aber wie sein Werk kann auch seine französische Rezeption nicht deswegen als unpolitisch betrachtet werden. Von der Zweihundertjahrfeier der Französischen Revolution (1989) bis zur Ausstellung Les Magiciens de la terre – die auch Teil dieser Feierlichkeiten war – stehen Polkes Werke im Mittelpunkt künstlerischer Veranstaltungen mit starken politischen Inhalten, die die Geschichte Frankreichs in einer internationalen Perspektive ebenso wie ihren Platz in einer zunehmend globalisierten Welt hinterfragen.
Inwiefern betrachteten die französischen Kritiker, aber auch Künstler, Polkes Werk als Inbegriff neuer künstlerischer Paradigmen? Gibt es, in einer Zeit der Krise der Moderne, die oft etwas hastig und generell als ,Postmoderne‘ bezeichnet wird, eine Singularität des französischen Diskurses über seine Arbeit? Die Studie möchte untersuchen, auf welchen Werten, aber auch auf welchen Vorurteilen – auch wenn sie positiv sind – der Diskurs über Polkes Arbeit beruht. Diese Hypothesen erfordern, den französischen Kontext in eine breitere Perspektive zu stellen. Auf der einen Seite ist es notwendig, die französische Rezeption mit anderen kunstkritischen Texten zu konfrontieren, sei es in Deutschland (in der einflussreichen Zeitschrift Texte zur Kunst) oder in den USA (zum Beispiel October); andererseits, die Rolle von einschlägigen Ereignissen, besonders der Biennale von Venedig 1986, zu berücksichtigen, die eine wichtige Rolle in der Betrachtung von Sigmar Polkes Werk auch in Frankreich spielten. 


[1]Philippe Dagen, Comment Sigmar Polke a rajeuni le vieil art de peindre, in Le Monde, 2.12.2013.
[2]Paris, musée d’Art moderne de la Ville de Paris, Archiv der Ausstellung Polke, 20.10.–31.12.1988.
[3]Art Allemagne Aujourd’hui, Paris, musée d’Art moderne de la Ville de Paris, 17.1–8.3.1981.



ARCHIV

Ausschreibung 2019

Im Jahr 2019 ruft die Anna Polke-Stiftung zwei Forschungsstipendien aus, die sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Kunstgeschichte oder benachbarter Disziplinen aus dem In- und Ausland richten.

Wir möchten gerne ausdrücklich auch junge Wissenschaftler/innen dazu auffordern, sich zu bewerben. Die Anna Polke-Stiftung ist interessiert an einem wechselseitigen Austausch mit den Stipendiatinnen und Stipendiaten. Diese sollen von einem lebendigen Forschungsumfeld profitieren und durch das Team der Stiftung unterstützt werden. 

Es werden im Jahr 2019 zwei Stipendien vergeben, die jeweils mit 5.000 € dotiert sind. Die Einteilung der Fördersumme kann je nach Qualifikation sowie Lebenssituation der Antragstellerin/des Antragstellers und der Beschaffenheit des Projektvorschlages flexibel eingerichtet werden. Eine Einlösung des Stipendiums als monatliche Unterstützung über eine bestimmte Laufzeit ist dabei ebenso denkbar wie die Förderung eines Forschungsaufenthaltes oder die Kombination aus beidem. Die Gesamtfördersumme von 5.000 € darf dabei nicht überschritten werden. Die Antragsteller/innen werden daher aufgefordert, ergänzend zu ihrem Arbeitsplan eine Aufstellung der gewünschten Mittelverwendung (Kostenplan) einzureichen. Es wird erwartet, dass Antragsteller/innen, die in einem Angestelltenverhältnis stehen, sich zweckentsprechend während der Förderdauer maßgeblich dem Forschungsvorhaben widmen.

Die Ergebnisse aus dem geförderten Forschungsvorhaben sollen durch die Stipendiatinnen/Stipendiaten im Rahmen einer öffentlichen Präsentation – als Vortrag, Gespräch oder in vergleichbarem Format – vorgestellt werden. Des Weiteren wäre eine Publikation der Ergebnisse wünschenswert. Die Anna Polke-Stiftung plant derzeit eine eigene Schriftenreihe, im Rahmen derer auch die Ergebnisse der geförderten Projekte publiziert werden können. Wir bitten jedoch um Verständnis dafür, dass dies im Einzelfall nach Abschluss des Stipendiums durch die Fachkommission entschieden und nicht für jedes der geförderten Forschungsvorhaben möglich sein wird.

ANTRAG
 
Zur Antragstellung reichen Bewerber/innen die folgen Unterlagen in deutscher oder englischer Sprache ein: 
– Lebenslauf (inkl. Publikationsliste und relevanter Zeugnisse)
– Ausgefülltes Formular (Download PDF: https://www.anna-polke-stiftung.com/stipendium/)
– Projektskizze/Darstellung des Forschungsvorhabens (ca. 1.000–2.000 Wörter)
– Arbeitsplan
– u.U. Kostenplan 
 
Richten Sie Ihre Bewerbungen bitte digital mit PDF-Dokumenten an: stang@anna-polke-stiftung.com. Für Fragen steht Ihnen Sophia Stang zur Verfügung.

Die Bewerber/innen werden nach der Sitzung der Fachkommission Anfang Juni 2019 über die Entscheidung informiert. Bewilligte Mittel müssen noch 2019 abgerufen werden. Die Bewilligungsbedingungen für die Stipendien der Anna Polke-Stiftung finden Sie hier.